In ihrer Schmiede lernen Schüler der Montessori-Schule Berg nicht nur den Umgang mit glühendem Eisen. Sie müssen sich selbst organisieren, sauber arbeiten und auch mal Fehlschläge hinnehmen
 

Berg - Wo gibt es noch offene Schmiedefeuer mit glühendem Eisen? Dem einen oder anderen mag die Feldschmiede der Burgfreunde Lichtenberg beim alljährlichen Burgfest einfallen. Aber dann? Da heißt es schon lange überlegen. In der Freien Montessori-Schule Berg können seit Beginn des Schuljahres die Schüler einmal wöchentlich im Nachmittagsangebot der offenen Ganztagsschule ihre Kraft, ihre Fantasie und ihre Kreativität am Amboss oder beim Elektro-Schweißen ausleben. Jürgen König, Lehrer mit einer Ausbildung zum Heizungsbauer, bietet die zwei Schulstunden an. Zwölf Jungen kommen seither regelmäßig in die Schmiede. Die Idee zu diesem außergewöhnlichen Angebot hatte Schulleiter Stephan Ludl.

Es sieht so einfach aus, das Hämmern und Klopfen des glühenden Eisens, aber dahinter stehen körperliche Kraft und auch Ausdauer, weiß Lehrer Jürgen König. "Da steckt richtig Arbeit dahinter", betont er, "vor allem wenn man das Alter der Jungs und das Gewicht des Hammers betrachtet." König erklärt, dass sich die Buben erst Gedanken darüber machen müssen, wie sie dem Eisen ihren Willen aufzwingen können. "Gutes Zureden oder vielleicht mal Schmollen, wie es vielleicht zu Hause oder bei den Freunden funktioniert, bewirkt bei dem Stück Eisen überhaupt nichts", erklärt der Pädagoge schmunzelnd. Zwei Schulstunden sind ein enger Zeitplan, dass wissen Schulleiter Ludl und Lehrer König. Aber die Schüler sind Feuer und Flamme dabei, gönnen sich meist nicht einmal die Mittagspause, sondern stapfen gleich hinunter zur Schmiede an der Rückseite der Turnhalle in einer ehemaligen Garage. Die Jungs übernehmen die Vorbereitungen an der Esse, damit pünktlich begonnen und das Eisen zur Bearbeitung zum Glühen gebracht werden kann. Nach dem Arbeiten ist natürlich auch Aufräumen angesagt. "Bei uns lernen die Kinder fürs Leben", sagt Stephan Ludl, "und erwerben die viel beschworenen Schlüsselqualifikationen gerade durch solche Angebote wie die Schmiede." Durch die Arbeit in der Gruppe wird die Teamfähigkeit geschult. Die Schüler lernen, dass durch ihre eigene Arbeit etwas entsteht und - das die Entstehung eben nicht so ganz einfach vonstatten geht. In der Schmiede können die Jungen ihre Ideen verwirklichen und lernen gleichzeitig, dass sich nicht jede Idee auch in die Praxis umsetzen lässt. Manchmal muss man Abstriche hinnehmen. Von der Idee bis zum fertigen Produkt müssen einige Stationen durchlaufen werden, das erfordert Selbstorganisation. Die Schüler lernen auch aus ihren Fehlern und machen es eben beim nächsten Mal anders.

Jürgen König ist stolz auf "seine" Jungs, die tatkräftig auf dem selbst gebauten Amboss aus einem Stück Schienenstrang werkeln. "Sie wollen keine Perfektion geboten bekommen", betont der Lehrer.

Er dankt der Firma Sommer aus Döhlau, die zwei hochwertige Elektro-Schweißgeräte und die dazugehörige Schutzausrüstung nebst Rohstahl, Rundeisen und Flachstahl spendiert hat.

"Die Schmiede ist als Teil des Erdkinderplanes nach Maria Montessori zu sehen", erklärt der Schulleiter. "Dieser soll den Jugendlichen die notwendige Zeit geben, um die reale Welt zu entdecken und ihnen aufzeigen, wie man auf natürliche Weise lernt. Jugendliche wollen lernen wie das Leben funktioniert", weiß Stephan Ludl. Und er fügt an: "Sie möchten als Gruppe Zeit geschenkt bekommen, Verantwortung übernehmen und das Leben dort kennenlernen, wo es passiert. Das können sie bei uns in der Schmiede."

Die Schmiede arbeitet zudem fächerübergreifend mit Mathematik und Physik. Auch der Arbeitsschutz ist auch ein Thema: Schutzbrillen und Sicherheitsschuhe sind ein Muss. "Handschuhe sind ebenfalls notwendig", sagt Lehrer König schmunzelnd, "und das lernen die Jungs ganz schnell, denn erhitztes Eisen ist nun mal heiß - nicht nur dort, wo es glüht."

Sandra Hüttner

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Foto: Hüttner

Hämmern, Klopfen, Bohren, Feilen, Schweißen - die Arbeiten
in der Schmiede sind vielfältig und vor allem real.

 
 

 


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